Dr. Michael Brysch
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Amazon hat vor Kurzem in Seattle ein innovatives stationäres Lebensmittelgeschäft eröffnet: Betritt der Kunde „Amazon Go“, wird er über eine App identifiziert. Anschließend kann er die gewünschten Waren aus dem Regal gleich in seine mitgebrachten Taschen legen. Sie erscheinen dann – registriert von einer Vielzahl an Kameras und Sensoren – im virtuellen App-Einkaufskorb. Bezahlt wird ebenfalls über die App – mit Verlassen des Ladens: Kassen sind nicht mehr nötig.
Sicher, eine Menge Vorbehalte müssen wir gerade wegen des Vordringens von Amazon in den Gesundheitsmarkt haben. Man denke nur an den jüngsten Zusammenschluss mit JP Morgan und Berkshire Hathaway, um eine günstige Krankenversicherung anzubieten. Dennoch: Wenn der Online-Riese, der bereits mehrere Buchläden und die Supermarktkette Whole Foods besitzt, auch mit seinem neuen Konzept auf den „althergebrachten“ stationären Einzelhandel setzt, ist das vielleicht ein hoffnungsvolles Indiz dafür, dass die Zukunft eben nicht nur im Online-Versand liegt.
Um Personaleinsparungen geht es Konzernangaben zufolge übrigens bei „Amazon Go“ nicht. Vielmehr würden die Mitarbeiter statt an den Kassen z.B. für die Kundenberatung benötigt. Vielleicht hat man ja erkannt, dass der persönlich-fachkundige Kontakt doch ein – wenn nicht das – wesentliche Element für die Kundenzufriedenheit ist? Und wenn dies schon für den Lebensmitteleinzelhandel gilt, dann erst recht für die Apotheke, in der die Beratung unabdingbar sein muss. Zukunftsfähigen Konzepten sollten wir uns dabei natürlich nicht verschließen.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Dr. Michael Brysch
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2018; 43(04):3-3