Dr. Hubert Ortner
Liebe Leserinnen und Leser,
massive Kostensteigerungen bei gleichzeitig gedeckelten Einnahmen – Apotheken und niedergelassene Ärzte stecken gerade im selben Ertragsdilemma. Erschwerend hinzu kommt ein Bundesgesundheitsminister im Corona-Hyperventilierungs-Dauermodus, der zwar von "langfristigen Strukturreformen" schwurbelt, tatsächlich aber mit dem Rasenmäher eine Schneise durch die Versorgungslandschaft fräst, um das milliardenschwere Kassendefizit notdürftig zu stopfen.
So unschön die Situation ist, bietet sie doch wenigstens die Möglichkeit einer vergleichenden Lobby-Effizienz-Studie. Auf der einen Seite die Kassenärztliche Bundesvereinigung, deren "Lautsprecher", Dr. Andreas Gassen, unverhohlen mit einer Kürzung des ärztlichen Leistungsangebots droht, sollten sich die Krankenkassen nicht bewegen. Die hatten in der ersten Runde der aktuellen Honorarverhandlungen eine Nullrunde gefordert, die KBV eine Steigerung um 6%. Bis Ende August müssen die Verhandlungen abgeschlossen sein. Wir sind gespannt.
Auf der anderen Seite die ABDA. Die hat zwar – anders als die KBV – kein formales Verhandlungsmandat für die Apotheken-Honorare. Noch nicht einmal zu einem Gesprächstermin mit Herrn Lauterbach hat es gereicht. Aber wir haben nun mal keine andere (bessere) Lobbyorganisation. An der finanziellen Ausstattung kann es nicht liegen: Mit 2,5 Mio. € (Quelle: Lobbyregister) sollte sich ein Abendessen mit dem Gesundheitsminister doch organisieren lassen. Dennoch warten die Apotheken seit 2004 auf eine Anhebung des Rx-Verpackungshonorars. Die KBV wird Ende August liefern – wie die letzten Jahre auch –, darauf ist Verlass. Und wann wird die ABDA endlich liefern …?
Es grüßt Sie herzlichst
Ihr
Dr. Hubert Ortner
Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2022; 47(16):2-2