Wie eine bKV gegen den Angestelltenschwund hilft

Mitarbeiterbindung mit Charme


Thomas Schmidt

Um am Arbeitsmarkt trotz Fachkräftemangel zu reüssieren, setzen Unternehmen vermehrt auf Zusatzleistungen für ihre Mitarbeiter. Besonders beliebt ist die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Eine Lösung, die sich auch für die Apothekenbranche sehr gut eignet.

Bislang ist die betriebliche Krankenversicherung in der Apothekenlandschaft praktisch nicht bekannt. Das ist eigentlich erstaunlich für Betriebe der Gesundheitsbranche. Denn die Vorteile für Arbeitnehmer sind offensichtlich: Vereinfacht gesagt werden Versicherte durch eine solche Zusatzversicherung teilweise Privatpatienten gleichgestellt. Viele andere Branchen nutzen das bereits.

Insgesamt haben in Deutschland den Marktforschern von Infas quo zufolge rund 17.500 Unternehmen eine bKV eingeführt (Stand: März 2022). Und langsam zieht auch die Gesundheitsbranche nach. Wie Pfefferminzia, ein Informationsdienst für die Versicherungsbranche, berichtete, planen 25% der Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser hierzulande die Einführung einer bKV.

Auch für kleine (Apotheken-)Betriebe geeignet

Genauso gut eignet sich das Modell für Apotheken, die seit Jahren mit Personalengpässen zu kämpfen haben. So gehen Experten davon aus, dass die Zahl der Fachkräfte in den kommenden fünf bis zehn Jahren um etwa 30% zurückgehen wird. Vertretungen für Inhaber werden mittlerweile händeringend gesucht. Manche sind auf Monate, wenn nicht Jahre ausgebucht.

Bis vor kurzem war das bKV-Konzept Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern vorbehalten. Doch das hat sich mittlerweile geändert. Denn nun sind bKV-Lösungen speziell für Heilberufe ab fünf Mitarbeitern auf den Markt gekommen. Damit steht die betriebliche Krankenversicherung nun auch Apotheken zur Verfügung.

Selbstverständlich gibt es noch weitere versicherungsbasierte Produkte, die Ihnen als Arbeitgeber ein Alleinstellungsmerkmal auf dem regionalen Arbeitsmarkt verschaffen können.

Hier ist zuerst die arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung (bAV) zu nennen. Damit können Apotheken die tarifvertraglich vereinbarte bAV für Angestellte aufstocken. Eine höhere Rente ist – wie eine bKV – durchaus ein Argument, um sich als Arbeitnehmer für die Apotheke A und gegen Apotheke B zu entscheiden.

Eine andere betriebliche Zusatzabsicherung ist die Unfallversicherung. Zwar gibt es einen gesetzlichen Schutz, doch der erweist sich als lückenhaft. Die von Arbeitgebern gezahlten Pflichtbeiträge bei der Berufsgenossenschaft bieten eine Absicherung bei Unfällen auf dem Weg zur Arbeit, am Arbeitsplatz und auf dem Heimweg. Der Schutz erlischt aber, wenn beispielsweise vom direkten Heimweg abgewichen wird. Ein Eis in der Waffel auf dem Heimweg oder ein kurzer Umweg in einen Supermarkt – und schon geht der Versicherungsschutz flöten. Selbst die Mittagspause kann aus der Absicherung herausfallen. Überhaupt keine Absicherung gibt es für die Freizeit – etwa beim Sport oder bei Hausarbeiten, also besonders unfallträchtigen Betätigungen. Diese Lücken kann eine betriebliche Unfallversicherung (bUV) schließen.

Es gibt freilich noch weitere Möglichkeiten, um sich als Arbeitgeber von anderen Betrieben am Arbeitsmarkt positiv abzuheben: Zu nennen wären hier unter anderem Lohnkostenoptimierungen, von denen Arbeitnehmer profitieren. Doch zweifelsohne hat die betriebliche Krankenzusatzversicherung für Angestellte in der Gesundheitsbranche einen besonderen Charme. Schließlich haben Ihre Mitarbeiter in der Offizin Tag für Tag mit Menschen zu tun, die gesundheitliche Probleme haben. Der Wert einer guten Gesundheitsversorgung ist daher sehr bewusst.

Das gilt umso mehr, nachdem die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherungen immer wieder gekürzt wurden – nicht zuletzt bei Vorsorgeuntersuchungen. Im Unterschied zu privaten Krankenversicherungen wird bei der bKV auf Gesundheitsfragen und Ausschlüsse verzichtet. Eine positive Imagewirkung für Sie als Arbeitgeber ist damit fast ein Selbstläufer. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass Angestellte ihre Familienangehörigen gegen ein meist geringes Entgelt mitversichern können. Damit werden Kürzungen von Kassenleistungen für Kinder und Partner gewissermaßen ausgeglichen.

Tue Gutes und rede darüber!

Da Arbeitgeber bei der Ausgestaltung betrieblicher Krankenversicherungen große Freiheiten genießen, können die versicherten Leistungen individuell angepasst werden. Sicherlich ist es aus Arbeitgebersicht sinnvoll, wenn die Leistungen einer betrieblichen Krankenversicherung auch die Arbeit in der Offizin (zumindest indirekt) unterstützen. Dazu gehören u.a. Vorsorgeleistungen wie etwa Hörtests und Zahnprophylaxe, aber auch Leistungen zum Stressabbau, Reiseimpfungen und Reha-Leistungen. Je nach Umfang des Leistungsspektrums können die Kosten für Arbeitgeber variieren. Maximal muss von knapp 50 € pro Mitarbeiter und Monat ausgegangen werden.

Um eine optimale Wirkung auch für das Recruiting zu erzielen, sollten Informationen über Zusatzleistungen möglichst breit gestreut werden. Denn ohne externe Kommunikation entwickeln eine bKV oder andere arbeitgeberfinanzierte Zusatzleistungen zwar eine Bindewirkung nach innen, entfalten aber keine Außenwirkung.

ApoTeam+: Hilfe zur Selbsthilfe

Um die Außenwirkung Ihrer Apotheke zu optimieren, haben Sie als Inhaber oder Apothekenleiter zwei Möglichkeiten: Entweder Sie bauen entsprechende Kompetenz inhouse auf oder Sie bedienen sich der Expertise eines externen Dienstleisters. Ein Beispiel ist ApoTeam+, ein Mitarbeiter-Konzept, das von der Maklerkooperation ApoHelfer entwickelt und exklusiv angeboten wird (vgl. AWA 11/2022). Dieses soll Apotheken gezielt dabei unterstützen, ihre Mitarbeiter zu halten und neue Mitarbeiter zu rekrutieren. Eine maßgeschneiderte interne und externe Kommunikation ist dabei ein Schlüsselelement.

Teilnehmende Apotheken erhalten umfassenden Support – von der Beratung und Einführung einer arbeitgeberfinanzierten Zusatzversicherung (Stichwort bKV) über Stellenanzeigen in Online-Plattformen bis hin zum Einrichten und professionellen Bespielen eigener Social-Media-Accounts. Weitere Module beinhalten die Webseiten-Optimierung sowie ein Coaching für die Mitarbeiterkommunikation. Der Clou: Das Konzept ist auf das erste Jahr ausgerichtet. Danach sollten Apotheken in der Lage sein, ihre Mitarbeiterbindung und Fachkräftegewinnung eigenständig oder nur noch mit punktueller Unterstützung weiterzuführen.

Was bringt Ihnen als Apothekeninhaber eine bKV ...?

  • Grundsätzlich steigert eine bKV die Attraktivität des Arbeitgebers. Personalsuche und Personalgewinnung werden erleichtert, die Mitarbeiterbindung gestärkt und Fluktuationen abgeschwächt.
  • Sie erhalten ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Apotheken, weil die bKV bislang in der Apothekenbranche weitgehend unbekannt ist. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich Apotheker in aller Regel nur ungern mit Versicherungen beschäftigen, weil sie ohnehin schon (zu) viele Stunden für bürokratische Aufgaben ver(sch)wenden müssen.
  • Als Chef beweisen Sie mit einer bKV, dass Ihnen Ihre Mitarbeiter etwas wert sind. Damit setzen Sie ein klares Zeichen, dass Sie mit Ihren Angestellten dauerhaft zusammenarbeiten wollen. Dies stärkt das wechselseitige Vertrauensverhältnis.
  • Die bKV ist zudem ein Ausweg aus dem reinen Gehaltsvergleich. Denn mit der betrieblichen Zusatzversicherung bieten Sie Ihren Mitarbeitern einen Vorteil jenseits des Monatslohns.
  • Als Arbeitgeber haben Sie großen Freiraum in der Ausgestaltung der Versicherung – hinsichtlich des Leistungsspektrums und der Kosten. Insofern können Sie auf die Wünsche Ihrer Angestellten ebenso Rücksicht nehmen wie auf Ihre eigenen Vorstellungen. Beispielsweise können für den Betrieb besonders wichtige Mitarbeiter stärker unterstützt werden. Zudem gibt es Lösungen, bei denen die Leistungen mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit zunehmen. Treue zum Arbeitgeber wird also belohnt.
  • Eine bKV ermöglicht Versicherten den Zugang zu besseren medizinische Leistungen. Das führt oft zu einem besseren Gesundheitsstand und weniger krankheitsbedingten Fehlzeiten.

Thomas Schmidt, Versicherungskaufmann und Rentenberater, Conto Business Service GmbH, 14469 Potsdam, E-Mail: office@conto.de

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2022; 47(20):10-10