Rhetorische Hyperinflation


Dr. Hubert Ortner

Liebe Leserinnen und Leser,

eine stabile Gesundheitsversorgung ist ein „Stabilitätsanker unserer Demokratie“, ließ die ABDA unlängst im Schulterschluss mit den Ärzteverbänden verlauten. Was für eine rhetorische Hyperinflation! Oder müssen wir womöglich einen Bürgerkrieg befürchten, wenn von dem 500 Milliarden Euro schweren Infrastruktur-Paket nicht umgehend eine erkleckliche Summe für Krankenhäuser, Ärzte und Apotheker abgezweigt wird …?

Selbstverständlich ist ein intaktes Gesundheitssystem ein wichtiger Bestandteil unserer Infrastruktur. Wie übrigens der Straßenbau, Lebensmittelhandel, Tankstellen, Heizungsbauer etc. auch. Ebenfalls unstrittig ist, dass die Gesundheitspolitik der letzten drei Jahre ganz viel Luft nach oben lässt: Mit seinem tiefsitzenden Misstrauen gegenüber den Leistungserbringern und der Verweigerung eines konstruktiven Dialogs hat Karl Lauterbach zweifelsohne einen neuen Negativstandard gesetzt. Das kann insofern nur besser werden. Klar ist auch, dass jetzt, nachdem Friedrich Merz die Schuldenbüchse der Pandora geöffnet hat, ein guter Zeitpunkt für echte Strukturreformen wäre: Allein, wenn der Staat endlich aufhören würde, die GKV-Kassen für milliardenschwere versicherungsfremde Leistungen zu plündern, wäre schon viel geholfen.

Und es gibt in der Tat akuten Handlungsbedarf speziell bei den Apotheken: Eine finanzielle Soforthilfe ist ebenso dringend nötig wie die Wiederzulassung der Skonti sowie mehr Flexibilität beim Lieferengpassmanagement. Das sind nur drei der sechs Forderungen aus der ABDA-Wunschliste an die neue Regierung. Immerhin hat man im Berliner Apothekenhaus nach dreijähriger Renitenz endlich begriffen, dass sich mit der Forderung nach einer Erhöhung des Rx-Fixums auf 12 Euro kein Blumentopf gewinnen lässt. Als nächste Lektion empfiehlt sich ein etwas bedachterer Umgang mit Worten. Denn selbst wenn die Branche beim Verteilen der Merz‘schen Milliarden leer ausgehen sollte, steht damit noch längst nicht unsere Demokratie auf der Kippe.

Es grüßt Sie herzlichst

Ihr

Dr. Hubert Ortner

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