Guide zur Personalrekrutierung für Apotheken – Teil 1

Erfolgreiche Mitarbeitergewinnung ist ein Marathon


Nicolas Klose

Eine Umfrage des IFH Köln zeigt, dass 75 % der Inhaber den Fachkräftemangel als stark oder sehr stark empfinden. Auf einen sich bewerbenden Apotheker kommen derzeit rund 50, auf eine PTA 18 offene Stellen. Zudem soll in den kommenden Jahren ein zusätzlicher Bedarf von mehr als 28.400 Vollzeitstellen entstehen. Fachkräfte können sich ihren Arbeitgeber oft aussuchen, und Apotheken, die sich in diesem Verdrängungsmarkt nicht als attraktive Arbeitgeber positionieren, drohen den Anschluss zu verlieren.

Die erfolgreiche Mitarbeiter-Rekrutierung ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der viel Ausdauer und eine klare Strategie erfordert. (© AdobeStock/Jenny Sturm)

Ein Blick auf die aktuellen Strategien vieler Apotheken zur Mitarbeitergewinnung zeigt, dass viele Ansätze veraltet und wenig effizient sind. Häufig wird an traditionellen Prozessen festgehalten, statt auf moderne Methoden zu setzen. Ein besonders auffälliges Beispiel sind die Bewerbungsprozesse auf den Websites: Oft fehlen grundlegende Informationen zur Apotheke oder zum Team, was es potenziellen Bewerbern erschwert, sich ein Bild von der Arbeitsumgebung zu machen.

Zudem werden Bewerber häufig aufgefordert, sich per E-Mail oder sogar per Post zu bewerben – was in der heutigen Zeit, insbesondere bei der jüngeren Generation, kaum noch akzeptiert wird. Wer jünger als 35 ist, erwartet einen modernen, digitalen Bewerbungsprozess. Altmodische Verfahren senden das Signal, dass die Apotheke nicht zeitgemäß ist, und schrecken potenzielle Bewerber ab.

Auf der anderen Seite gibt es Apotheken, die zwar auf neue Tools wie Social-Media-Werbung setzen, diese jedoch nicht optimal nutzen. Anzeigen in den sozialen Medien können vielversprechend wirken, doch ohne das nötige Know-how verpufft der Effekt oft. Während 2021 und 2022 einfache Anzeigen auf Plattformen wie Facebook oder Instagram noch schnell zu Bewerbungen führten, hat sich der Markt seither weiterentwickelt. Heute reicht eine einfache Anzeige in sozialen Medien nicht mehr aus, um qualifizierte Fachkräfte anzulocken. Es erfordert eine durchdachte Strategie, die auf langfristige Sichtbarkeit und einen authentischen Auftritt als Arbeitgeber setzt. Die Personalstrategie in Apotheken muss sich insofern den veränderten Marktbedingungen anpassen, um erfolgreich qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

Arbeitsbedingungen: Schlüssel zum langfristigen Erfolg

Viele Apothekenangestellte sind mit den aktuellen Arbeitsbedingungen unzufrieden, was oft zu sinkender Motivation und Frustration führt. Häufige Ursachen sind überfordernde Kunden, chaotische Abläufe, abwesende Chefs und das ständige Einspringen für Kollegen. Diese negativen Erfahrungen können durch klar strukturierte Prozesse und verbesserte Arbeitsbedingungen jedoch gut kompensiert werden.

Entscheidend ist aber nicht nur, dass Apotheken qualifizierte Bewerbungen erhalten, sondern auch, dass sie ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Mitarbeiter langfristig bleiben möchten. Denn selbst wenn die Betriebe es schaffen, Bewerber durch moderne Recruiting-Strategien anzulocken, werden die wirklich guten Kandidaten nur dort bleiben, wo die Arbeitsbedingungen stimmen. Wer keine attraktiven Arbeitsbedingungen bietet, riskiert, dass talentierte Fachkräfte sich schnell wieder „absetzen“ und letztlich für einen anderen Arbeitgeber entscheiden, der ihnen ein besseres Umfeld bietet.

Häufige Denkfehler in der Mitarbeitergewinnung

Viele Inhaber sind nach wiederholten Rückschlägen bei der Personalgewinnung frustriert. Diese Frustration führt oft zu Denkblockaden, die es zu überwinden gilt.

Fehlannahme 1: „Es gibt keine guten Bewerber mehr.“

Obwohl es frustrierend sein kann, nur wenige oder unqualifizierte Bewerbungen zu erhalten, ist die Wahrheit oft eine andere: Viele qualifizierte Fachkräfte sind unzufrieden in ihren aktuellen Jobs und durchaus bereit zu wechseln, wenn sie bessere Arbeitsbedingungen und Perspektiven finden. Apotheken sollten daher ihre Strategien auf passiv suchende Kandidaten ausrichten – also Fachkräfte, die zwar aktuell in Beschäftigung, aber für einen attraktiveren Arbeitsplatz offen sind.

Fehlannahme 2: „Ich will niemanden von anderen Apotheken abwerben.“

Es geht nicht um aggressive Abwerbung, sondern darum, eine Alternative aufzuzeigen. Wenn Sie eine attraktive Arbeitgebermarke aufbauen, werden wechselwillige Fachkräfte von allein auf Ihren Betrieb aufmerksam. Immer mehr Apotheken schließen, wodurch gut ausgebildete Fachkräfte freigesetzt werden – seien Sie präsent, um diese zu gewinnen.

Tipp: Zeigen Sie in Ihrer Kommunikation klar auf, was Ihre Apotheke von anderen unterscheidet und welche Vorteile ein Wechsel potenziellen Bewerbern bietet.

Fehlannahme 3: „Ein hohes Gehalt ist der wichtigste Anreiz.“

Viele Inhaber glauben, dass sie nur durch ein hohes Gehalt qualifizierte Fachkräfte gewinnen können. Natürlich spielt das Gehalt eine wichtige Rolle, doch es ist längst nicht der alles entscheidende Faktor. Besonders in Branchen wie dem Gesundheitswesen, in der Sinnhaftigkeit und zwischenmenschliche Beziehungen eine große Bedeutung haben, suchen Mitarbeiter oft nach mehr als nur finanziellen Anreizen.

So legen Fachkräfte zunehmend Wert auf ein gutes Arbeitsklima, eine ausgewogene Work-Life-Balance, Weiterbildungsangebote sowie die Möglichkeit, sich im Job weiterzuentwickeln. Eine starke Unternehmenskultur, ein engagiertes Team und flexible Arbeitszeitmodelle können oftmals überzeugender sein als ein hohes Gehalt.

Tipp: Entwickeln Sie ein ganzheitliches Angebot für potenzielle Mitarbeiter, das sowohl attraktive Arbeitsbedingungen als auch persönliche Entwicklungsmöglichkeiten umfasst.

Stellen Sie diese Benefits in den Vordergrund und zeigen Sie, wie Ihre Apotheke ein positives Arbeitsumfeld mit Wachstumsperspektiven bietet.

Nachhaltiger Teamaufbau statt Schnellschüsse

In Zeiten des Fachkräftemangels neigen viele Apothekeninhaber dazu, ihre Ansprüche an Bewerber zu senken und schnell die erstbeste Person einzustellen, die die Grundqualifikation mitbringt. Solche „Schnellschüsse“ lösen Personalprobleme jedoch meist nur kurzfristig – langfristig verschärfen sich die Probleme eher. Sind doch Mitarbeiter, die nicht zum Unternehmen passen, oft weniger motiviert, was sich i. d. R. negativ aufs Betriebsklima auswirkt. Das kann sogar zu einer höheren Fluktuation führen, wenn unzufriedene Kollegen daraufhin ebenfalls das Team verlassen.

Ein weiterer kritischer Aspekt: Wenn Apotheken wiederholt unter Personalmangel leiden und in kurzer Zeit neue Mitarbeiter einstellen müssen, werden sie erpressbar. Das bedeutet, dass bestehende Mitarbeiter unter Umständen mehr fordern oder die Arbeitsmoral sinkt, weil sie sich ihrer Unersetzbarkeit bewusst sind. Dies führt langfristig zu einem angespannten Betriebsklima und kann die Leistungsfähigkeit des gesamten Teams negativ beeinflussen.

Das heißt: Apotheken, die regelmäßig Bewerbungen erhalten und über einen kontinuierlichen Zustrom an potenziellen Mitarbeitern verfügen, sind weniger abhängig und somit auch weniger erpressbar. Diese Sicherheit ermöglicht es ihnen, fundiertere Personalentscheidungen zu treffen und nur Kandidaten auszuwählen, die auch tatsächlich ins Team passen.

Die Illusion der Wunderpille

Immer wieder sehen wir, dass Inhaber nach schnellen Lösungen für ihre Personalprobleme suchen. In der Hoffnung, die Situation rasch zu verbessern, setzen sie oft auf kurzfristige Maßnahmen, wie z. B. eine Social-Media-Kampagne. Dabei erwarten sie, dass diese innerhalb weniger Wochen qualifizierte Bewerbungen einbringt. Doch diese Erwartungen sind realitätsfern und packen das eigentliche Problem nicht an der Wurzel an.

Wer langfristig erfolgreich Personal gewinnen möchte, muss verstehen, dass z. B. Werbeanzeigen in sozialen Medien als Einzelmaßnahme nur oberflächlich wirken. Kurzfristig mögen diese zwar einige Bewerber anlocken, doch ohne eine durchdachte Strategie wird man das Problem nicht gelöst bekommen.

Am Ende gilt: Erfolgreiche Mitarbeitergewinnung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Schnell wirkende Wunderpillen gibt es nicht – Erfolg entsteht nur durch eine gut durchdachte und langfristig umgesetzte Recruiting-Strategie.

Fazit und Ausblick

Um das Fachkräfteproblem langfristig zu lösen, braucht es einen nachhaltigen, strategischen Ansatz, der zum einen den Aufbau einer starken, attraktiven Arbeitgebermarke beinhaltet, zum anderen Aspekte wie einen langfristigen Teamaufbau und klare Arbeitsstrukturen. Das sorgt nicht nur für Stabilität, sondern verhindert auch, dass Apotheken in eine Abhängigkeit von kurzfristigen Maßnahmen mit z. T. problematischen Neueinstellungen geraten. Indem Sie als Inhaber die Strukturen Ihres Betriebs überdenken und sich an den Bedürfnissen wechselwilliger Fachkräfte orientieren, schaffen Sie die Basis, um in dem härter werdenden Verdrängungswettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter erfolgreich zu bestehen.

Der zweite Teil dieser kleinen Serie wird weiterführende Strategien beleuchten, wie Sie als Inhaber Ihren Apothekenbetrieb als attraktiven Arbeitgeber stärken und erfolgreich positionieren können.

Nicolas Klose, Geschäftsführer, Klose Consulting GmbH, E-Mail: kontakt@kloseconsulting.de

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Den zweiten Teil der Serie von Nicolas Klose 

Guide zur Personalrekrutierung für Apotheken: So bauen Sie eine attraktive Arbeitgebermarke auf

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Personalrekrutierung muss nicht schwierig sein!
Nicolas Klose zeigt Ihnen, wie's geht.
(AdobeStock_zong)

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2024; 49(22):12-12