Wie Sie ein Burnout verhindern können – Teil 2

Stärken Sie Ihre Widerstandsfähigkeit!


Esther Stollenwerk

Eine schwere Krankheit, der Verlust des Partners, langanhaltender Stress – viele Menschen lassen sich von solchen Ereignissen aus der Bahn werfen. Andere hingegen scheinen solche Herausforderungen besser wegzustecken. Was unterscheidet diese Menschen voneinander?

Die Antwort lautet: Resilienz! Gemeint ist damit die psychische Widerstandsfähigkeit. Doch was bedeutet das, was genau ist Resilienz?

Der Begriff Resilienz stammt ursprünglich aus der Werkstoffkunde. Dort beschreibt er die Eigenschaft eines Materials, das sich durch äußere Kräfte verformt und anschließend wieder in seine Ursprungsform zurückkehrt. Elastizität, Widerstandskraft oder Belastbarkeit sind die Aspekte, welche der Begriff Resilienz in sich vereint. Übertragen auf Menschen bedeutet dies, dass diejenigen resilient sind, welche die Fähigkeit besitzen, sich trotz schwieriger Lebensumstände nicht unterkriegen zu lassen und auch mit besonderen Herausforderungen gut zurechtzukommen.

Was hat Resilienz mit der Arbeit zu tun?

Die heutigen Anforderungen an Beschäftigte sind hoch: ständige Flexibilität, schnelles Einstellen auf neue Situationen und Veränderungen. Und zudem ein häufiger Optionsstress durch die Vielzahl an Entscheidungsmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass immer komplexere Aufgaben in kürzerer Zeit bewältigt werden sollen. Dies alles erfordert eine hohe Belastbarkeit und Widerstandskraft. Resilienz ist hier ein gutes Werkzeug, wie Sie sich selbst, Ihre Mitarbeiter und damit letztendlich Ihre ganze Apotheke stärken können!

Aber wie genau geht Resilienz? Was können Sie für sich selbst tun, um langfristig widerstandsfähig zu bleiben? Die gute Nachricht: Resilienz kann man lernen und zu jedem Zeitpunkt damit beginnen. Zu spät ist es dafür nie. Die eigene Widerstandsfähigkeit kann bis ins hohe Erwachsenenalter trainiert und gefördert werden. Zwei grundlegende Aspekte davon sind Selbstfürsorge und die eigene Haltung. Bevor Sie Ihren Mitarbeitern fürsorglich begegnen, ist es im ersten Schritt erforderlich, dass Sie gut für sich selbst sorgen! Und die Basis aller Selbstfürsorge besteht darin, den eigenen Energiehaushalt regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen. Womit können Sie Ihre "Akkus" wieder aufladen? Ein regelmäßiger "Akku-Check" ist Grundlage für eine ausgeprägte Resilienz.

Sind alle Grundbedürfnisse befriedigt? Haben Sie sich genug bewegt, geschlafen, ist Ihre Ernährung ausgewogen, machen Sie regelmäßig erholsame Pausen und sorgen dafür, dass Körper und Geist zur Ruhe kommen können? Sind Sie im guten Kontakt zu anderen Menschen? Oft vernachlässigen wir im Alltag die Pflege unserer Grundbedürfnisse und übergehen erste körperliche Anzeichen der Überforderung wie zum Beispiel Müdigkeit oder Gereiztheit. Dies auch deshalb, da wir uns den Raum und die Zeit nicht für uns selbst nehmen und häufig anderes voranstellen. Damit Selbstfürsorge gut gelingen kann, ist es einerseits wichtig, zwischendurch kurz innezuhalten und bewusst in sich hineinzuspüren:

  • Wie geht es mir jetzt gerade in diesem Moment?
  • Wie steht es um meinen Energiehaushalt?
  • Was sind meine Bedürfnisse?
  • Was braucht mein Körper, was meine Seele jetzt?
  • Was würde mir in diesem Moment guttun?

Zudem braucht es immer mal wieder ein klares Nein zu anderen Menschen und Anforderungen, um den eigenen Bedürfnissen und Interessen nachgehen zu können. Wer Grenzen setzen und Nein sagen kann, schafft sich die nötigen Freiräume für Selbstfürsorge im Alltag.

Tatsächlich fällt das Nein-Sagen aber vielen Menschen gar nicht leicht – aus der Angst heraus, abgelehnt zu werden, oder aufgrund des Bedürfnisses nach Harmonie ("den anderen nicht enttäuschen wollen"). Hinzu kommt die Angst, etwas zu verpassen.

In Wirklichkeit treten die befürchteten Konsequenzen aber meistens gar nicht ein – im Gegenteil: Anderen Menschen die eigenen Grenzen aufzuzeigen, führt sogar zu einem besseren und respektvolleren Umgang miteinander. Gehören Sie auch zu den Menschen, denen es schwerfällt, Nein zu sagen? Dann ist ein guter erster Schritt in Richtung mehr Selbstfürsorge, sich bewusst zu machen, was die Gründe sind, die Sie daran hindern. Erlauben Sie sich, als nächstes Nein zu sagen und geben Sie sich diese Erlaubnis, wenn nötig, auch schriftlich.

Den eigenen Energiepegel im Auge zu behalten und mit sich selbst gut umzugehen, sind Merkmale resilienter Menschen. Wie sieht es bei Ihnen aus? Überprüfen Sie Ihren Energiehaushalt regelmäßig mithilfe folgender Fragen bzw. Statements:

  • Ist das Grundbedürfnis "ausreichend schlafen" erfüllt?
  • Ist das Grundbedürfnis "Zeit für Entspannung" erfüllt?
  • Ist das Grundbedürfnis "gesund ernähren" erfüllt?
  • Ist das Grundbedürfnis "ausreichend bewegen" erfüllt?
  • Erholung bewusst andersartig gestalten.
  • Kleinere Pausen während des Tages einplanen.
  • Sich selbst wertschätzen – auch ohne erbrachte Leistung.
  • Nein sagen und Grenzen aufzeigen!

Jetzt wird es konkret:

  • Bewerten Sie auf einer Skala von 1 bis 10, wo Sie bezüglich der acht genannten Fragen bzw. Statements jeweils stehen.
  • Notieren Sie Ideen, was sie jeweils anders bzw. besser machen könnten.

Jeder ist seines eigenen (Gedanken-)Glückes Schmied!

Forschungen zum Thema Resilienz haben ergeben, dass unsere Gedanken und die Haltung, mit der wir durchs Lebens gehen, entscheidend dazu beitragen, wie stark unsere Widerstandfähigkeit ausgeprägt ist. Menschen, die Ihren Blick eher auf das Positive richten und konstruktiv mit Veränderungen umgehen, fällt es sehr viel leichter, in stressigen Situationen oder besonderen Herausforderungen in ihrer Kraft zu bleiben und den Überblick zu behalten.

Das, worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit richten, beeinflusst maßgeblich Ihre Stimmung. Und dies hat wiederum eine spürbare Wirkung darauf, wie leistungsfähig und widerstandsfähig Sie sind.

Unsere Gedanken sind dabei wie Pfade im Gehirn. Je häufiger ein Gedanke wiederholt wird, desto ausgeprägter wird dieser Pfad und damit die neuronale Verbindung in unseren Gehirnstrukturen. Hierin liegt gleichzeitig die Chance: Denn wir haben es selbst in der Hand, in welche Richtung wir unseren Fokus lenken möchten. Insofern sind wir tatsächlich "unseres eigenen Glückes Schmied" – durch die Kontrolle der eigenen Gedanken.

Trainieren Sie regelmäßig positives Denken und stärken Sie damit Ihre Widerstandsfähigkeit! Zum Beispiel, indem Sie Ihre Gedanken bewusst wahrnehmen und überprüfen, in welche Richtung Sie gerade gehen. Falls Ihre Perspektive eher negativ ist, versuchen Sie den Gedanken positiv zu "überschreiben" mithilfe von kreativem Umdenken. Wiederholen Sie dies so oft wie möglich. Damit können Sie die "Macht" der eingefahrenen, negativen Gedanken brechen und durch eine neue, positive Haltung ersetzen.

Tipp: Übrigens können Sie durch einen einfachen Trick Einfluss auf Ihre Stimmung und Gedanken nehmen. Und zwar durch Ihre Körperhaltung: Laufen oder setzen Sie sich bewusst aufrecht, heben Sie den Kopf an, schieben Sie Ihren Brustkorb nach vorne und lächeln Sie dabei. In vielfachen Studien konnte die positive Wirkung der Körperhaltung auf die Stimmung und Gedanken nachgewiesen werden.

Eine weitere, wichtige Möglichkeit, die eigene Resilienz zu stärken, ist das bewusste Annehmen von Veränderungen. Dies und andere spannende Aspekte zum Thema Achtsamkeit erwartet Sie im Teil 3 der Artikelserie zur Burnout-Prophylaxe.

Praxistipp: Wie Sie dem "Ja-Reflex" ein Schnippchen schlagen

Nehmen Sie sich Bedenkzeit, bevor Sie reflexartig mit Ja antworten. Und wägen Sie erst in Ruhe ab, ob Sie einer Bitte, die an Sie herangetragen wird, wirklich nachkommen wollen. Falls die aktuelle Situation das nicht zulässt und es sofort einer Rückmeldung bedarf, versuchen Sie eine kurze Gedankenpause einzurichten, indem Sie zum Beispiel innerlich bis zehn zählen. Schon dieser kurze Abstand kann hilfreich sein, eine spontane Reaktion zu verhindern.

 

Esther Stollenwerk, Wirtschaftspsychologin (M.Sc.), Beraterin für betriebliches Gesundheitsmanagement, 50670 Köln, E-Mail: esther_stollenwerk@web.de

 

Haben Sie den ersten Teil Sorgen Sie gut für sich und Ihre Gesundheit unserer Serie Burnout verhindern verpasst? Hier finden Sie ihn....

Zum dritten Teil Achtsamkeit: Bei sich selbst im Augenblick der Serie geht's hier.

AdobeStock_290383299

Aktueller Wirtschaftsdienst für Apotheker 2022; 47(18):14-14